Freitag, 18. September 2009

KISS 3: Feed your Need

Und da lag “es”.

Mein Fressbeutel. Der musste wohl abgefallen sein, als ich mit Tatsumi in die Besenkammer gefallen war. Und die Höllenhunde schienen wohl dumm genug gewesen zu sein, um es nicht zu bemerken.
Ich ging zu meinem besten Freund während der Pause und hob ihn gerade auf, als ich von hinten wieder Tatsumis Stimme hörte.
“Ähm…” Als ich mich wieder umdrehte, stand er neben der offenen Tür und schien sichtlich nervös zu sein, denn er tippelte immer von einem Bein aufs andere (Musst du auf die Toilette?).
“Also…”, begann er wieder. “Mein Name ist Tanaka Yuki. Aber nen mich ruhig Yuki, das machen sowieso alle,”, warf ich ein, da er mich noch nicht zu kennen schien. (A/N: JA! Main Chara #1 hat auch einen Namen! Tanaka Yuki, 2. Klasse Oberschule, Sternzeichen Jungfrau, Blutgruppe 0 und heimlicher Schildkrötenzüchter!)
So standen wir also da und starrten uns eine Weile an. Tatsumi hibbelte immernoch und fing zu allem Überfluss auch noch an, an seinen Haaren zu spielen. Und ich hatte als meine neue Lieblingsfreizeitbeschäftigung Fressbeutelschwingen auserkoren.
“Also ich geh dann mal was essen. Tut mir echt Leid wegen eben,”, durchbrach ich die Stille. Wenn wir weiter stehen geblieben wären, wäre die Pause bald zu Ende gewesen. Und ich musste diese einmalige Chance schließlich nutzen, ohne eine Horde wilder Affen um mich herum mein Mittagessen zu geniesen.
“Ach, schon gut, ist ja nichts passert.” Wieder dieses selige Grinsen. So verabschiedeten wir uns und wollten beide unserer Wege gehen, als wir bemerkten, dass unser gemeinsames Ziel das Dach war.
“Oh,”, gab ich von mir. “Du isst auch auf dem Dach? Wie wärs, wenn wir uns zusammentun?” Irgendwie kam es mir so vor, als würde sein Gesicht bei diesen Worten strahlen. “Gerne!”, erwidert er mit ungewohnt lauter Stimme und es schien, als ob er bloß auf diesen Satz gewartet hätte.Ein wirklich komischer Kerl, schoss es mir wieder durch den Kopf. Man bemerkte im Moment von seinen 18 Jahren ca. 10. Er benahm sich wie ein Kind, das einen Lolli geschenkt bekommen hatte.
Nachdem ich ihn noch einen Moment verwundert angesehen hatte, gingen wir beide, Tatsumi vergnügt hüpfend voran, zum Dach und machten uns dort breit.
Als wir fertiggegessen hatten, legte ich mich mit einem zufriedenen Seufzer auf den Boden und blickte in den Himmel. Es sah so aus, als würde es bald regnen.
Die Stille war toll, doch manchmal war ich schon froh, wenn ich selbst mal zu Wort kam. Und so packte mich die Neugier.
“Isst du eigentlich immer hier oben?”, fragte ich Tatsumi und sah ihn dabei von unten an. Er hatte seine Arme um die angewinkelten Beine geschlungen und antwortete mit einem Unterton, den selbst ich nicht überhören konnte: “Ja, jeden Tag.” Er verzog keine Miene, doch mit seiner Aussage hatte er mich stutzig gemacht. “Und deine Kumpel, was…”, begann ich zu fragen, doch ich wurde rasch unterbrochen. “Wieso sind eigentlich diese Typen hinter dir her? Die von eben?”
Gedankenverloren ob dieses Satzes, der mich eben geistig zu einer Frage angeregt hatte, meinte ich zu ihm: “Sie wollen sehen, wie ich dich küsse, um zu sehen, ob du es kannst oder nicht…”

Was da eben so geklappert hatte, mussten wohl Tatsumis Essstäbchen gewesen sein, die gerade die Hand ihres Besitzers verlassen hatten. Mit hochrotem Kopf und weit aufgerissenem Mund starrte er mich an.
Er sah aus, als hätte er einen Exhibitionisten gesehn.

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