Freitag, 18. September 2009

KISS 8: Fifteen Half

Nahm dieser Lehrer eigentlich auch mal seine Hand da weg?
Er kam schon selbst leicht schwul rüber, wie er dastand, mich verständig anlächelte und meine Schulter tätschelte. Wieder die Kontrolle über meine momenante Gesichtsentgleisung findend schloss ich langsam meinem Mund und fragte voll Selbstbeherrschung, ob er wohl freundlicherweise die Hand da wegnehmen würde: “Würden Sie bitte genug heterosexuelle Mentalität besitzen, um das da wegzumachen?” Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen schien jedoch sämtliche Männlichkeit aus ihm zu weichen, denn es trat mit der Zeit immer mehr Pipi in seine Augen.
Shit. Jetzt hatte ich schon ‘nen Lehrer zum Weinen gebracht. Wie scheiße konnte der Tag eigentlich noch werden? “Tut mir Leid, Sensei...”, sagte ich leise. “Aber ich bin wirklich nicht schwul...” Ich musste versuchen ihn irgendwie zu beruhigen. Und bei diesem Lehrer gab es nur eine Methode, wie das zu schaffen war.
“Hier, Sensei.” Ich kramte in meiner Tasche und zückte eine kleine Schachtel. “Schokolade?”
Ja, dieser Lehrer war, wie viele weibliche Exemplare dieser Spezies, schokoladensüchtig. “Ist sogar mit 90 % Kakao-Anteil.” ... Hatte es eben geblitzt oder waren das seine Augen, die aufleuchteten?
Mit fast schon Lichtgeschwindigkeit hatte er von mir abgelassen, mir die Süßigkeit entrissen und war in Richtung Lehrerzimmer verschwunden. Mission erfolgreich, würde ich sagen. Blieb nur noch das “wiiiii~nzig” kleine Problem mit meiner angeblichen Zugehörigkeit zur anderes Seite des Ufers. Aber wie bitte konnte ich eine Horde wildgewordener Affen beruhigen, wenn jedes Glied in der Kette einen anderen Schwachpunkt hatte? Hasegawa-sensei dagegen war ja ein Klacks gewesen.
Jetzt aber erst mal nach Hause, bevor mich noch eins von diesen wildgewordenen Affenmännchen ansprang.
Gott sei dank ohne einem dieser Höllenhunde auf dem Nachhause-Weg zu begegnen kam ich klitschnass - Petrus schien ganz schön gebechert zu haben - zuhause an und sah als allererstes mal bei meinen geliebten Geschöpfen vorbei. Ich hatte mir mein eigenes Reich aufgebaut, bewohnt von Wesen, die so was wie Tratschen nicht kannten. Genau wie ich gaben sie nur Laute von sich, wenn ihnen was nicht in den Kram passt.
Ich ging also zu meinem Reich, in dem ich Gott war - manchmal kann Religion schon gut sein! - , doch wie ich sah, sah ich nichts. Es war schon so kalt geworden, dass sie wohl beschlossen hatten, sich einzugraben. Also gab es heute wohl wirklich nichts zu sehen - und für euch Kameradenschweine auch nichts zu Essen, ha! Und ich musste dringend mal in den Chlorwellen im Innersten meiner eigenen heimischen Badeanstalt schwimmen gehen.
Und wo bitte war meine gelbe Quetschschildkröte?

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