Freitag, 18. September 2009

SLEEPING ROSE 3: The Inner Chamber Fair

So war der junge Arzt nun wieder allein, und weil ihm nichts anderes einfallen wollte und der Tag heute so schön war, trat er abermals ins Freie und atmete einmal tief. Immer noch wunderte er sich, wo der junge Mann, den er vorhin vor dem Motorrad gerettet hatte, herkam und vor allem wo er so schnell hinwollte, dass er noch nicht einmal genug Zeit hatte, um sich richtig zu verabschieden. Der junge Mann war überaus hübsch anzusehen und deshalb wollte sein Abbild auch nicht aus Hirokis Kopf verschwinden. Besonders seine Haut war ihm aufgefallen, die so zart war, dass Hiroki beinahe Angst hatte, sie würde zerreißen, als er die Wunde an Soutas Arm behandelt hatte. Er hatte keine einzige Unreinheit ausmachen können, auch nicht, als er in sein Gesicht blickte (und dass er deswegen auch ein klein wenig neidisch war, muss ich hier wohl keinem sagen, oder?).

Diese Gedanken schlichen ihm durch den Kopf (nein, sie schossen nicht, denn der Tag war zu schön, um so schnell zu denken), als er durch die Straßen der Stadt schlenderte und unbewusst auf ein ihm bekanntes Haus auf einem kleinen Hügel zusteuerte. Es war ein hübsches weißes Jugendstilhaus mit großem Garten und auch einer kleinen Garage, die sich direkt neben dem weißen Tor befand. Doch Hiroki erblickte noch etwas weißes, was nicht so recht ins Bild passen wollte: Rauch, der durch das Garagentor nach außen drang, gepaart mit dem Geräusch eines laufenden Autos. Dies erschien ihm ungewöhnlich und so beschleunigte er seine Schritte, öffnete das Garagentor und wurde von einer dicken weißen Rauchwolke umschlossen. Nach wenigen Momenten schon war die Sicht freier, sodass sich Hiroki weiter ins Innere des kleinen Häuschens vorwagte und etwas erblickte, das ihm nicht gefallen wollte: Direkt neben dem Auto lag auf dem Boden eine zierliche menschliche Gestalt, die sich nicht regte und wirkte, als ob sie schlafen würde. Geistesgegenwärtig fasste Hiroki nach dem Menschlein und schleifte den bewusstlosen Körper an die frische Luft. Als er die Person auf den Bürgersteig legte und in sein Gesicht blickte, kam ihm dieses sofort bekannt vor: Der junge Mann, den er vorhin noch vor dem Motorradfahrer beschützt hatte.
"Hey... hey, Kleiner! Wach auf, hörst du?", sagte Hiroki, während er vorsichtig Souta kleine Ohrfeigen gab, um ihn wieder aufzuwecken, doch gelingen wollte es ihm nicht. Deshalb beugte er sich zu dem Jungen hinunter und horchte, ob er noch atmete, was glücklicherweise der Fall war, und auch sein Puls war da, wenn er auch schwach war.
"Verdammt... komm schon!" Hiroki griff nach seinem Handy und wählte die Nummer des Krankenhauses, in dem er arbeitete, um einen Krankenwagen zu rufen. Als auch das erledigt hatte, vergewisserte er sich nochmals, ob der Junge noch atmete und tat auch sonst alles, um ihn so gut wie möglich zu versorgen.

Auch als der Krankenwagen kam und Souta in das Krankenhaus von Hirokis Vater fuhr, wich der junge Arzt nicht von der Seite seines Bekannten, während Souta mit Sauerstoff versorgt wurde und viele Ärzte und Schwestern des Krankenhauses sich um ihn bemühten. Unser Arzt jedoch war von der Behandlung ausgeschlossen, denn das Krankenhaus beschäftigte Spezialisten für solche Fälle, weshalb er den Jungen auch gut aufgehoben wusste. Dennoch blieb er im Krankenhaus, um mit ihm zu sprechen, sobald er wieder auf dem Damm war.

Doch, ach, wie unglücklich war er, als er erfahren musste, dass der hübsche Jüngling nicht aus seinem Schlaf erwachen wollte?

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